Insektenschutz für Pferde: Die besten Methoden im Überblick
Jedes Jahr das gleiche Bild: Die Sonne lacht, die Temperaturen steigen, und mit ihnen erwacht eine Armee von fliegenden Plagegeistern. Für viele Pferdebesitzer beginnt damit eine Zeit der Sorge. Es geht nicht nur um ein bisschen Schweifschlagen sondern um Dauerstress, Stiche und Hautentzündungen.
Um dein Pferd wirklich effektiv zu schützen, reicht es nicht, wahllos Sprays aufzutragen. Wir müssen verstehen, wer uns da gegenübersteht und an welchen Stellschrauben wir drehen können, von der Fütterung über das Management bis hin zur gezielten Abwehr durch Sprays.
Die Gegenspieler verstehen: Wer sticht wann und warum?
Ein effektiver Schutz beginnt mit der Identifikation der "Feinde". Nicht jedes Mittel hilft gegen jedes Insekt.
- Die Kriebelmücke (Simuliidae): Diese winzigen, fast lautlosen Flieger sind die Hauptverursacher des Sommerekzems. Sie stechen nicht einfach, sie "beißen" eine kleine Wunde und lecken das Blut auf. Besonders aktiv sind sie in der Dämmerung an windgeschützten Stellen.
- Die Bremse (Tabanidae): Sie sind Sichtjäger. Wärme, Bewegung und dunkle Oberflächen ziehen sie magisch an. Da sie primär auf optische Reize reagieren, sind rein geruchsbasierte Mittel hier oft im Nachteil.
- Wadenstecher & Stallfliegen: Sie brüten oft direkt im Stall oder im Mist. Hier hilft nur konsequente Hygiene.
Strategie 1: Sprays – Den Eigengeruch maskieren und Abwehrbarrieren schaffen
Sprays sind die am häufigsten genutzte Waffe gegen Insekten, doch ihre Wirkung hängt stark von den Inhaltsstoffen und der Anwendung ab. Man unterscheidet hier zwei große Gruppen:
Natürliche Sprays: Die Kraft der ätherischen Öle
Diese Mittel arbeiten meist damit, den Eigengeruch des Pferdes (Schweiß, Hormone) zu überdecken, sodass das Pferd für das Insekt "unsichtbar" oder unattraktiv wird.
- Inhaltsstoffe: Häufig werden Zitrone, Eukalyptus, Geraniol, Nelke oder Zedernholz verwendet.
- Vorteil: Sie sind meist sehr hautverträglich und ökologisch unbedenklich.
- Nachteil: Die Wirkungsdauer ist oft kurz (1–3 Stunden), da die ätherischen Öle schnell verfliegen, besonders wenn das Pferd schwitzt.
- Pro-Tipp: Achte auf Produkte mit Geraniol. Dieser natürliche Wirkstoff hat in Studien eine gute Fernhaltewirkung gegen Mücken und Fliegen gezeigt.
Sprays mit synthetischen Wirkstoffen: Die Langzeit-Option
Wenn der Insektendruck extrem hoch ist oder lange Ausritte geplant sind, greifen viele Besitzer zu intensiveren Mitteln.
- Icaridin: Dieser Wirkstoff gilt als Goldstandard. Er ist geruchsneutral, sehr gut verträglich und blockiert die Sensoren der Insekten, mit denen sie ihre Beute aufspüren. Er wirkt oft über viele Stunden, auch gegen Bremsen.
- Wichtig bei der Anwendung: Sprühe niemals direkt in Richtung Kopf. Nutze einen Schwamm oder einen Lappen, um das Mittel um die Augen und Nüstern aufzutragen.
Strategie 2: Die Fütterung als Basis des Hautschutzes
Ein gesundes Pferd mit einer intakten Hautbarriere ist für Insekten weniger attraktiv.
- Zucker reduzieren: Ein hoher Blutzuckerspiegel verändert das Hautmilieu. Insekten scheinen den "süßen" Schweiß von Pferden mit Stoffwechselproblemen zu bevorzugen.
- Zink und Schwefel: Diese Spurenelemente sind essenziell für die Hautregeneration. Ein Mangel führt zu brüchiger Haut, durch die Insekten leichter eindringen können.
- Schwarzkümmelöl: Kurweise über das Futter gegeben, kann es die Attraktivität für Kriebelmücken senken, da die Inhaltsstoffe über die Haut ausdünsten.
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Strategie 3: Mechanischer Schutz und Management
- Zebra-Look: Wissenschaftliche Studien (z.B. Uni Bristol) belegen, dass Bremsen durch Streifenmuster verwirrt werden und darauf nicht sicher landen können.
- Öl-Barrieren: Das Auftragen von mildem Pflegeöl an der Bauchnaht verhindert mechanisch, dass Kriebelmücken dort landen können – sie finden keinen Halt.
- Hygiene: Regelmäßiges Abäppeln und das Vermeiden von stehendem Wasser (Brutstätten!) auf der Koppel sind die effektivste Langzeitstrategie.
- Weidezeiten anpassen: Da die Insektenbelastung nachts in der Regel geringer ist als tagsüber, kann es sinnvoll sein, die Weidezeit auf die Nacht zu verlegen.
Fazit: Insektenschutz ist ein Zusammenspiel, kein Einzelmittel
Wer glaubt, mit einem einzigen Spray sei das Insektenproblem gelöst, wird spätestens am ersten heißen Sommertag enttäuscht. Der Sommer mit Pferd wird nur dann entspannt, wenn mehrere Bausteine zusammenspielen: eine durchdachte Fütterung, die die Haut von innen widerstandsfähig macht, kluges Weidemanagement, das die aktivsten Flugzeiten der Insekten berücksichtigt, mechanischer Schutz durch Decken und Masken sowie gezielt eingesetzte Sprays.
Es lohnt sich, nicht nur reaktiv zu handeln, sondern schon vor der Hochsaison mit Kuren wie Schwarzkümmelöl oder Zinkgaben vorzubeugen. Und auch bei Sprays gilt: Kenne deinen Gegner. Gegen Bremsen brauchst du andere Strategien als gegen Kriebelmücken.
Bitte beachte: Jedes Pferd reagiert unterschiedlich auf Insekten, Hausmittel und Fütterungsanpassungen.
Weiterführende Literatur:
- Caro, T., et al. (2019): Benefits of zebra stripes: Behaviour of tabanid flies around zebras and horses. Veröffentlicht in: PLOS ONE.
- Schaffartzik, A., et al. (2012): Equine insect bite hypersensitivity: What do we know? Veröffentlicht in: Veterinary Immunology and Immunopathology.
- Meyer, H., & Coenen, M. (2014): Pferdefütterung. Enke Verlag.
- Horváth, G., et al. (2008): Polarization sensitivity of tabanid flies. Veröffentlicht in: Journal of Experimental Biology.
Bild: Joerg Hartmann | pexels